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aMMP-8-Test: Früherkennung erhält Zähne

Du hast ein neues Implantat und möchtest es behalten? Ein frommer Wunsch – der manchmal unerhört bleibt. Noch immer gehört der Verlust von Implantaten zum Alltag der Zahnmedizin. Ein einfacher Speicheltest, der aMMP-8-Test, könnte das verhindern. Wie zeigst Du dem Implantatverlust die Zähne? Informiere Dich!

Implantate: Vertrauen ist gut, Kontrolle erhält Zähne

Das große Problem bei Implantaten und Zähnen überhaupt sind Entzündungen. Sie lassen das Gewebe schrumpfen – nicht nur das Zahnfleisch zieht sich zurück, auch der Knochen schwächelt. Der Zahn wackelt und muss gezogen werden. Die Zahnmedizin macht im Bereich der Implantate zwar ständig Fortschritte. Dennoch gehört das Herausoperieren von Implantaten in der alltäglichen Praxis zur Tagesordnung.

Parodontitis, bei Implantaten Periimplantitis, heißt Dein Feind. Hinter dem Fachchinesisch verbergen sich chronische Entzündungen, die das Zahnbett unsicher machen. Regelmäßige Kontrolle durch einen einfachen Enzymtest könnte den Implantatverlust verhindern – aber wie immer bei offiziellen Dingen, so trifft auch hier das uns Deutschen wohl bekannte Sprichwort zu: Gut Ding will Weile haben.

Aktuelle Diagnosemethoden mangelhaft

Die Diagnosemethoden in der Zahnmedizin lassen hierzulande nach wie vor zu wünschen übrig. Das geht aus mehreren Studien hervor. Die fünfte Ausgabe der deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS 5) zeigt (1): Jährlich müssen 13,2 Millionen Zähne gezogen werden. Zwei von drei Zahnverlusten sind auf  sublklinische Kollagenolyse zurückzuführen – so der Fachausdruck.

Kollagenolyse bezeichnet ganz einfach Abbau von Gewebe, indem Kollagen gespalten wird. Subklinisch bedeutet in diesem Zusammenhang, dass sich der Gewebeabbau langsam und schmerzfrei vollzieht. Eine Kollagenolyse führt typischerweise zu Parodontitis oder auch Periimplantitis.

Von Gingivitis zu Periimplantitis

Gingivitis ist der erste Schritt auf dem Weg zu einer Parodontitis. Dein Zahnfleisch blutet häufig – dann nichts wie ab zum Zahnarzt! Bleibt die Gingivitis unbehandelt, kommt es zur Parodontitis. Die Entzündung greift vom Zahnfleisch auf das Zahnbett über. Der gesamte Zahnhalteapparat ist betroffen. Periimplantitis heißt dieser Prozess, wenn er im Bereich von Implantaten auftritt.

Nach Auskunft der DMS 5-Studie verliert im Durchschnitt jeder zehnte Deutsche jährlich einen Zahn durch Parodontitis. Rund fünf Prozent der Implantate gehen nach wie vor durch Periimplantitis verloren. Das verdient die Note mangelhaft, denn 70 Prozent aller Deutschen lassen ihre Zähne ein- bis zweimal im Jahr beim Zahnarzt untersuchen.

Der Grund: Die aktuellen Diagnostikmethoden ermitteln in erster Linie bestehenden Schaden. Doch sie verfehlen das Ziel, Anzeichen von Parodontitis rechtzeitig zu erkennen. Das stellt der Zahnreport 2017 der Barmer Krankenkasse fest (2). Deshalb helfen sie nicht, die Erkrankung zu vermeiden.

PSI misst vorhandene Schäden

Für die reguläre Diagnostik in der Zahnarzt-Praxis greifen zwei Leistungen, die mit den Krankenkassen abgerechnet werden können. 01 bezeichnet den normalen Befund, den der Zahnarzt bei jedem Besuch erstellt. PSI dagegen lautet die Abkürzung für den Paradontalen Screening Index. Dabei misst der Zahnarzt mit einer speziellen Sonde die Tiefe der Zahnfleischtaschen.

Als behandlungsbedürftig gilt zur Zeit eine Tiefe ab 3,5 Millimeter. Abgesehen davon, dass wir über diesen Wert durchaus streiten könnten: Der Zahnarzt stochert in Deinem Zahnfleisch herum, nur um den bereits eingetretenen Gewebeverlust zu ermitteln. Vorbeugung? Ist nicht.

aMMP-8: Enzym gibt Auskunft in Echtzeit

Glücklicherweise gibt es aufgeweckte Wissenschaftler, die eine neue Methode entwickelt haben. Ein einfacher Speicheltest liefert eine Diagnose in Echtzeit. Damit hat er das Potenzial, die Maßnahmen rund um Mundgesundheit zu revolutionieren – wie vor Jahren die Messung des Langzeitzuckerwerts die Gesundheit von Diabetes-Kranken entscheidend verbessert hat.

Wissenschaftler an der Universität Helsinki haben den Speicheltest entwickelt, der die Menge von aktiviertem MMP-8 misst. Hinter dieser Abkürzung verbirgt sich aktivierte Matrix-Metalloproteinase 8, ein Enzym, das Dein Körper selbst herstellt. aMMP-8 kann Kollagen vom Typ I und Typ III spalten.

Bei Kollagen handelt es sich um das Protein, das im menschlichen Körper am häufigsten vorkommt. Es verleiht verschiedenen Gewebetypen Stabilität und Struktur. Mangelnde Mundhygiene und daraus resultierender Zahnbelag ermöglichen es, dass sich aMMP-8 in Deiner Mundhöhle austobt.

Informationen über Schweregrad

Dieser Test hat sich als wesentlich effizienter als das bisherige Verfahren erwiesen, bei dem mit Sondieren Blutungen provoziert werden – ein archaisch anmutender Prozess im Vergleich mit dem Speicheltest (4). Statt Dich in Dein Zahnfleisch zu pieksen, trägt der Zahnarzt etwas Speichel auf einen Papierstreifen auf. Dabei ist der aMMP-8-Test in der Lage, Auskunft über den Fortschritt einer Kollagenolyse oder Parodontitis zu geben (5).

Bakterien und andere Keime im Zahnbelag reizen das Zahnfleisch. Das Immunsystem reagiert mit einer Entzündung. Das führt wiederum dazu, dass sich neutrophile Granulozyten (weiße Blutkörperchen) sowie Fibroblasten und Endothelzellen an der entzündeten Stelle häufen. Sie aktivieren MMP-8.

Gefahr: Instabiles Zahnbett

Bleiben Entzündungen über einen langen Zeitraum bestehen, machen sich diese Vorgänge auf der Ebene der Zellen im sichtbaren Bereich bemerkbar. Zahnfleischbluten weitet sich zum Rückgang des Zahnfleisches aus. Das gesamte Zahnbett wird instabil.

Besonders bedrohlich ist die Aktivität von aMMP-8 bei Implantaten. Der Halsteil eines Zahnimplantats ist besonders glatt, damit die Mundschleimhaut dicht abschließen kann. Das verhindert das Eindringen von Keimen in tiefer liegendes Gewebe.

Mucosabarriere durchlöchert

Wird aktiviertes MMP-8 in großen Mengen nicht erkannt, entstehen durch die Spaltung von Kollagen ‚Löcher’ in der sogenannten Mucosabarriere (Mucosa = Schleimhaut). Krankheitserreger dringen ein und führen zu Entzündungen im Stützgewebe.

Es erscheint logisch, dass sich dieser Prozess nicht mit dem Messen einer Zahnfleischtasche erfassen lässt. Hat sich das Zahnfleisch bereits sichtbar zurückgebildet, ist die Parodontitis – bei einem Implantat die Periimplantitis – bereits weit fortgeschritten.

Der Verlust des Implantats ist übrigens noch nicht einmal das Worst-Case-Szenario bei einer Periimplantitis oder Parodontitis. Krankmachende Keime können vom Mundraum in die Blutbahn gelangen. Über das Blut erreichen sie den gesamten Körper, auch das Gehirn. So können sie schwere Krankheiten auslösen, etwa Alzheimer, Herzerkrankungen oder Krebs (6) (7) (8).

MMP8-Test: Wie teuer und wie oft?

Nach bisherigen Erkenntnissen reicht es, die Stabilität von Kollagen im Mund mit dem aMMP-8-Test ein- oder zweimal jährlich zu messen. Der Test kostet 49,- Euro und wird bisher noch nicht von den Krankenkassen übernommen.

Er kann je nach Bedarf im Speichel für den gesamten Mundraum oder für einzelne Zähne durchgeführt werden. Das Ergebnis mit dem Mess-System PerioSafe/ImplantSafe liegt bereits nach wenigen Minuten vor.

Ziel: Der Kollagen-Wert, genauer aMMP8-Wert, sollte weniger als 20 ng/ml betragen.

Die regelmäßige Kontrolle Deiner aMMP-8-Werte hilft Dir, Entzündungen bereits im Keim zu ersticken. Liegt Dein Wert zu hoch, kannst Du sofort Gegenmaßnahmen einleiten. Bei einer Gingivitis reicht häufig verbesserte Zahnhygiene. Der dentale Biofilm, im Klartext Zahnbelag, ist die Hauptursache für Zahnfleischentzündungen.

Hoffnung: MMP8-Test wird Standard

Zahlreiche Experten im Bereich der Zahnmedizin hoffen, dass der aMMP-8-Test als Standardverfahren anerkannt wird. Sie vergleichen seine Bedeutung mit der Blutzucker-Selbstkontrolle. Vorher hatten Diabetes-Kranke häufig Nierenschäden. Oft verloren sie schlecht durchblutete Gliedmaßen oder wurden blind. 

Dieser Test wurde erst in den 90er Jahren Bestandteil der standardmäßigen Therapie. Erst die Blutzuckermessung vor und nach den Mahlzeiten macht es möglich, den genauen Bedarf von Insulin zu bestimmen. Nüchtern sollte er zwischen 65 und 100 liegen, nach dem Essen zwischen 80 und 126. Der Langzeitzuckerwert (hbA1c) dagegen sollte zwischen 6,5 und 7,5 betragen.

Die Geschichte mit der Blutzucker-Selbstkontrolle bestätigt: Vorbeugen ist besser als heilen – oder ein Implantat zu verlieren. Hier findest Du eine Liste von Zahnärzten, die den MMP8-Test bereits verwenden. Folgende Universitäten setzen den Test ebenfalls ein:

  • Charité Berlin
  • Uni Bonn
  • Uni Witten Herdecke
  • Uni Marburg
  • Uni Basel
  • Uni Zürich

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Quellen:

(1) https://www.bzaek.de/ueber-uns/daten-und-zahlen/deutsche-mundgesundheitsstudie-dms.html

(2) https://www.barmer.de/presse/infothek/studien-und-reports/zahnreporte/barmer-zahnreport-2017-105414

(3) Balasubramanian, Preethi & Prabhakaran, Molamma & Sireesha, Merum & Ramakrishna, Seeram. (2013). Collagen in Human Tissues: Structure, Function, and Biomedical Implications from a Tissue Engineering Perspective. Fortschritte der Hochpolymeren-Forschung. 251. 173. 10.1007/12_2012_176. (https://www.researchgate.net/publication/258843486_Collagen_in_Human_Tissues_Structure_Function_and_Biomedical_Implications_from_a_Tissue_Engineering_Perspective)

(4) Räisänen IT, Sorsa T, van der Schoor GJ, Tervahartiala T, van der Schoor P, Gieselmann DR, Heikkinen AM. Active Matrix Metalloproteinase-8 Point-of-Care (PoC)/Chairside Mouthrinse Test vs. Bleeding on Probing in Diagnosing Subclinical Periodontitis in Adolescents. Diagnostics (Basel). 2019 Mar 23;9(1). pii: E34. doi: 10.3390/diagnostics9010034. PubMed PMID: 30909530; PubMed Central PMCID: PMC6468891. (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30909530)

(5) Schmalz G, Hübscher AE, Angermann H, Schmidt J, Schmickler J, Legler TJ, Ziebolz D. Associations of chairside salivary aMMP-8 findings with periodontal parameters, potentially periodontal pathogenic bacteria and selected blood parameters in systemically healthy adults. Diagn Microbiol Infect Dis. 2019 Oct;95(2):179-184. doi: 10.1016/j.diagmicrobio.2019.05.006. Epub 2019 May 10. PubMed PMID: 31174997. (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/31174997)

(6) Dominy SS, Lynch C, Ermini F, Benedyk M, Marczyk A, Konradi A, Nguyen M, Haditsch U, Raha D, Griffin C, Holsinger LJ, Arastu-Kapur S, Kaba S, Lee A, Ryder MI, Potempa B, Mydel P, Hellvard A, Adamowicz K, Hasturk H, Walker GD, Reynolds EC, Faull RLM, Curtis MA, Dragunow M, Potempa J. Porphyromonas gingivalis in Alzheimer’s disease brains: Evidence for disease causation and treatment with small-molecule inhibitors. Sci Adv. 2019 Jan 23;5(1):eaau3333. doi: 10.1126/sciadv.aau3333. eCollection 2019 Jan. PubMed PMID: 30746447; PubMed Central PMCID: PMC6357742. (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30746447)

(7) Dhadse P, Gattani D, Mishra R. The link between periodontal disease and cardiovascular disease: How far we have come in last two decades ? J Indian Soc Periodontol. 2010 Jul;14(3):148-54. doi: 10.4103/0972-124X.75908. PMID: 21760667; PMCID: PMC3100856. (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3100856/)

(8) Michaud DS, Lu J, Peacock-Villada AY, Barber JR, Joshu CE, Prizment AE, Beck JD, Offenbacher S, Platz EA. Periodontal Disease Assessed Using Clinical Dental Measurements and Cancer Risk in the ARIC Study. J Natl Cancer Inst. 2018 Aug 1;110(8):843-854. doi: 10.1093/jnci/djx278. PubMed PMID: 29342298; PubMed Central PMCID: PMC6093423. (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29342298)

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