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Bloß nicht am falschen Ende sparen!

Dein Zahnarzt redet immer nur von Implantat? Dann solltest Du genauer nachfragen – genau wie bei Autos ist bei Implantaten von Premiumklasse bis Basisausstattung alles möglich. Eine Studie zeigt beträchtliche Unterschiede in Bezug auf Lebensdauer und Komplikationsraten. Hier erfährst Du, welche Implantate empfehlenswert sind.

Die Auswahl an Herstellern und Implantaten ist mittlerweile ganz schön unübersichtlich geworden. In Deutschland gibt es über 100 verschiedene Systeme, die sich im Material, der Beschichtung und dem Aufbau teilweise erheblich unterscheiden.

Wenn Du im Internet nach dem Begriff Zahnimplantat suchst, tauchen die Angebote der Hersteller auf. Schon in den Kurzbeschreibungen verspricht natürlich jeder Produzent, das Beste, das Neueste und häufig auch das Günstigste zu bieten. Gleich darauf folgen die Angebote unzähliger Vermittler von Komplettpaketen, die sich in ihren Angeboten unterbieten. Klar: Ein Implantat samt Krone für 1.500 € hört sich verlockend an – aber kannst Du diesen Angeboten trauen? Eine schwedische Studie ist den Qualitätsunterschieden auf den Grund gegangen (1).

Was ist das Besondere an der Studie?

Es gibt zu Implantaten einen fast unüberschaubaren Dschungel an Studien. Leider wurden für die meisten Studien nur kleine Patientengruppen untersucht. Oft wurde eine Studie an lediglich einem Zentrum durchgeführt oder sie beschäftigt sich lediglich mit einer bestimmten OP-Technik oder den Implantaten eines Herstellers. Für Dich als Patient und sogar für Zahnärzte und Implantologen ist es fast unmöglich, einen objektiven Überblick zu bekommen.

Das Besondere an der schwedischen Studie ist, dass sie Daten von fast 5000 zufällig ausgewählten Patienten und 800 Zahnärzten untersucht hat. Möglich war das nur, weil es in Skandinavien für fast jede Erkrankung ein Register gibt. Das hat zur Folge, dass alle Patienten, Ärzte und Behandlungen dokumentiert sind.

Die große Zahl der begutachteten Fälle ermöglichte es, zahlreiche Implantate und Hersteller miteinander zu vergleichen. Ziel der Studie war es, die Qualität von Implantaten und zahnärztlichen Fähigkeiten anhand von Beispielen aus der Praxis auszuwerten.

Was genau wurde in der Studie untersucht?

Die unabhängigen schwedischen Wissenschaftler wollten unter anderem wissen, wie hoch die Verlustrate von Implantaten ist. Dabei unterschieden sie zwischen einem frühen oder späten Verlust. Von frühem Verlust ist die Rede, wenn das Implantat noch vor dem Aufsetzen der Krone wieder explantiert werden musste oder – noch schlimmer – statt einzuwachsen einfach herausfiel. Gründe dafür können schlechtes Anwachsen im Knochen sein oder Infektionen des umliegenden Gewebes. Haben die Patienten das Implantat nach Aufsetzen der Krone oder Brücke verloren, zählte das als später Verlust.

Alle Patienten hatten ihre Implantate 2003 erhalten – die Untersuchung fand neun Jahre später statt, um den Implantatverlust über diesen Zeitraum zu beobachten und auszuwerten.

Große Unterschiede bei den Herstellern

Das Ergebnis der Studie hat nicht nur die Fachwelt ziemlich überrascht. Dass die Unterschiede zwischen den Herstellern so klar ausfallen – damit hatte niemand gerechnet!

Frühverlust – Verlust noch vor dem Aufsetzen der Krone

Den Markt beherrschen in dieser Studie ganz klar drei Hersteller. Implantate der Firmen Straumann, Nobel Biocare und Astra Tech werden in 90 % aller Fälle verwendet.

Der Frühverlust ist mit 0,7 % bei Implantaten der Schweizer Firma Straumann am geringsten. Straumann ist der weltweit größte Hersteller von Implantatsystemen. Dabei scheint das Unternehmen ziemlich viel richtig zu machen. In Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern, Kliniken und Universitäten investiert die Firma kontinuierlich in die Forschung. Das zahlt sich offensichtlich aus.

Die beiden Hersteller Nobel Biocare und Astra Tech sind Teil von weltweiten Konzernen. Seit über 20 Jahren versorgen sie den Markt mit ihren Implantatsystemen. Beide investieren viel in die Forschung und versprechen innovative Systeme. Mit 1,3 % (Nobel Biocare) und 1,4 % unterscheidet sich die Rate an Frühverlust kaum – liegt im Vergleich zu Straumann jedoch doppelt so hoch.

Die übrigen Anbieter stellen insgesamt 10 % der Implantate dar. Deren Ergebnisse haben die Wissenschaftler zusammengefasst. Das macht es schwierig, einzelne Hersteller zu bewerten – möglicherweise gibt es darunter besonders gute, aber auch besonders schlechte. Im Mittel liegt die Rate an Verlusten vor dem Aufsetzen der Krone bei 3,5 % und ist damit fünf Mal höher als bei Straumann-Implantaten und über doppelt so hoch wie Nobel Biocare und Astra Tech.

Hinweis: Zur Gruppe der 10 % „anderen“ Marken gehörten: Biomet (3 %), Cresco (1,7 %), XiVe (1,3 %), Frialit (1,3 %) und Lifecore (1,2 %).

Spätverlust – in den Folgejahren zeigen sich die Unterschiede deutlich

Beim Thema Spätverlust werden die Unterschiede zwischen den Herstellern noch deutlicher. Die Firma Straumann hat hier mit noch größerem Abstand die Nase vorn. Bei lediglich 0,5 % der Straumann-Implantate kommt es innerhalb von neun Jahren zu einem Verlust, also bei einem von 200.

Mit 2,4 % und 2,5 % liegen die Raten der Firmen Nobel Biocare und Astra Tech fünf Mal so hoch. Das bedeutet, eins von 40 Implantaten überlebt keine neun Jahre.

Bei den übrigen Herstellern liegt die Rate bei 3,8 % und ist damit im Vergleich zum Frühverlust nahezu stabil. Erschreckend ist, dass das Risiko für einen Verlust fast acht Mal höher ist als bei dem besten Hersteller Straumann. Bei jedem 26. Preiswerten Implantat kommt es zu einem Verlust.

Rechnet man das Risiko für einen Frühverlust und den Spätverlust zusammen, bedeutet dies: Durchschnittlich eines von 83 Implantaten der Firma Straumann geht während einer Zeitspanne von neun Jahren verloren. Bei den übrigen Herstellern ist in dem gleichen Zeitraum jedes 14. Implantat von Verlust betroffen – erschreckende Zahlen!

Noch mehr Hintergründe zu der Studie

Im Jahr 2003 erhielten in Schweden über 23 000 Patienten im Alter von 65 bis 74 ein Implantat, 1716 waren es in der Altersgruppe der 45- bis 54-Jährigen. Alle Patienten wurden im schwedischen Register erfasst.

Für die Untersuchung haben unabhängige Wissenschaftler der Universität Göteborg 3000 zufällig ausgewählte Patienten der Altersgruppe 65 bis 74 und 1716 Patienten der jüngeren Gruppe angeschrieben. Von 2765 Patienten, die von 800 verschiedenen Zahnärzten und Implantologen behandelt wurden, wurde die Patientenakte auf den frühen Verlust von Implantaten ausgewertet. 596 Patienten folgten der Einladung zu einer genauen Analyse ihres Implantat-Zustandes. Zu dem Zeitpunkt der Erfassung waren die Implantate durchschnittlich bereits vor 8,9 Jahren eingesetzt worden. Im Schnitt hatte jeder Patient vier Implantate erhalten, so dass den Wissenschaftlern die Daten von über 13.000 Patienten zur Verfügung standen.

Ob es zu einem Frühverlust gekommen war, entnahmen die Wissenschaftler der Patientenakte. Die genaue Untersuchung des Implantat-Zustandes der 596 Patienten nach im Schnitt neun Jahren, wurde unabhängig von zwei Parodontitis-Spezialisten durchgeführt.

Ziemlich eindeutig: Die Marke entscheidet

Dass die Haltbarkeit der Implantate so stark schwankt, ist verblüffend. Die meisten Zahnärzte oder Implantologen bevorzugen das System, mit dem sie bereits ausreichend Erfahrungen gesammelt haben – das ist ein wichtiger Punkt bei der Entscheidung. Wie Du an dieser Studie sehen kannst, solltest Du Deinem Zahnarzt nicht blind vertrauen.

Es lohnt es sich in jedem Fall, noch einmal nachzuhaken, von welchem Hersteller Du ein Implantat bekommen sollst oder bekommen hast. Die Chancen, ein Implantat zu verlieren, schwanken zwischen 1:14 oder nur 1:83 – oder anders ausgedrückt: Es macht einen gewaltigen Unterschied, ob das Risiko sechs Mal höher ist.

Eine weitere Tatsache solltest Du bei der Auswahl eines Implantates immer im Hinterkopf behalten: Die Haltbarkeit ist eine Summe aus Qualität des Implantats, Beschaffenheit Deines Kieferknochens, Erfahrung des Arztes und vor allem sorgfältiger, täglicher Pflege von Dir. Dafür sind regelmäßige, individuelle Kontroll- und Dentalhygiene-Besuche beim Zahnarzt unbedingt erforderlich. Hilfreich ist auch ein einfacher Speicheltest, der Dich über den Zustand der Haltestruktur informiert.

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Quellenverzeichnis:

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